In meinem Hotel in Saint Jean de Maurienne brauche ich erstmal eine lange, warme Dusche um wieder warm zu werden. Ich mache hier einen Tag Pause. Das ist auch bitter benötig. Nicht nur mein Fahrrad ist in eher schlechten Zustand, bei mir sieht es ähnlich aus. Das nicht immer alles toll ist auf Tour ist klar aber der letzte Tag hat mir zugesetzt. Der Col de la Croix de Fer war anstrengender als erwartet und ich bin mir nicht mehr sicher ob ich diese Berge wirklich fahren kann. Vielleicht haben die Leute recht gehabt, die behauptet haben das ich zu sowas nicht in der Lage bin ( vor allem nicht alleine, als Frau!). Auf meiner ersten PCT Wanderung hat mir ein Freund gesagt: „Never quit on a bad day“. Die Versuchung ist groß, wenn einem alles weh tut und die Situation grade wirklich scheiße ist. Aber am nächsten Tag kann alles ganz anders aussehen und mit Sicherheit würde man es bereuen aufgegeben zu haben. An meinem „freien Tag“ habe ich versucht mich um mein Rad zu kümmern. Die Schaltung konnte ich nicht reparieren und auch neue Bremsbelege habe ich nicht ans Rad bekommen. Wenigstens hat die Kette ein bisschen Schmier bekommen. Danach habe ich mir das Höhenprofil für den nächsten Tag angesehen. Und zwar sehr genau! Also hab ich mir eingeredet das es nicht so schlimm werden würde. Die ersten 15km sind ja quasi flach (aber auch nur im Vergleich zum Rest) und die letzten 5km gehen Berg ab. Da bleiben nur noch 10km die es Berg auf geht, die kann man zur Not schieben. Wenn man sich das lange genug einredet wird es schon klappen! Am Abend habe ich dann noch versucht Gewicht am Gepäck zu reduzieren. So blieb einiges an Essen und fast leere Cremes zurück.

8:00 Uhr Abfahrt.  Aus dem Ort raus ging es auf die Autobahn, hier wurde viel gebaut aber der Standstreifen/ Radweg war in Ordnung. Dafür das es eigentlich flach sein sollte, musste ich doch ordentlich in die Pedale treten. Als ich mich umschaute wurde mir auch klar warum. Von wegen flach,  es ging schon Bergauf!  Etwas besorgt ging es weiter, an einem Stausee konnte man dann (leider) das heutige Ziel sehen. Oben auf einem riesigen  Berg kann man die Wetterstation erahnen, wie man es da hoch schaffen soll kann man aber nicht erkennen. Nach 15km erreiche ich Saint Michel de Maurienne. Die Nervosität wandelt sich in so was wie Vorfreude und definitiv Begeisterung. Der Ort ist Start um den Col du Télégraphe zu fahren. Es ist schwer zu beschreiben aber hier herrscht eine ganz spezielle und besondere Stimmung. Man sieht es den Rennrad Fahrern an, hier sind alle auf Mission. Der Col du Télégraphe und Col du Galibier warten. Wer sich hier auf den Weg macht ist bereit ein wenig zu leiden. Und damit fange ich dann auch gleich an! Es geht rechts ab, über eine Brücke und dann geht es gleich richtig los. Mit einer durchschnittlichen Steigung von über 7% sieht und merkt man das es Berg auf geht. In vielen Kurven schlängelt man sich den Berg hoch. Hier und da mal ein Parkplatz, perfekt um zu Atem zu kommen. Auch hier stehen kleine weiße Steine am Wegesrand und geben einen die wichtigsten Informationen: Distanz bis zum Pass, Höhe und Steigung des nächsten Kilometers. Die Rennräder sind natürlich etwas schneller als ich aber man grüßt sich freundlich und motiviert sich gegenseitig. Lange geht es durch bewaldetes Gebiet, da sieht man Gott sei Dank nicht was noch auf einen zu kommt. Überrascht war ich als es nur noch 2km waren und ich immer noch nicht schieben musste. Der letzte Kilometer belohnte mit toller Aussicht. Oben angekommen wurde ich von anderen Radfahrern bejubelt und ein Bild durfte natürlich auch nicht fehlen.  Überglücklich und erleichtert ging es , im Pass eigenem Restaurant, Pizza essen. Auf der Terrasse Neben der Straße konnte man das Alpenpanorama bestaunen und sich entspannen. Die Tatsache das ich diesen Pass so gut fahren konnte gibt mir viel Selbstvertrauen und Mut für den nächsten Tagen. Von der Terrasse aus schaue ich dem Gewusel zu, viel los hier oben. Anscheinend findet Heute ein Vespa und Moped „Rennen“ statt. Auf den letzten 5km (für mich Berg ab) bleiben die Mopeds gerne liegen und die die noch fahren sind sehr langsam unterwegs. Gegenseitig versuchen sich die Fahrer den Berg hoch zu schieben und wenn alles nicht mehr hilft kommt ein Transporter und sammelt Mopeds und Fahrer ein. Ich verbringe die Nacht in Valloire. Kompression Socken, Creme und Massage bereiten die Beine auf den nächsten Tag vor.

Fortsetzung folgt…

Komoot: https://www.komoot.de/user/1539512102956?ref=amk

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