Die Temperaturen sind etwas erträglicher geworden dafür gibt es heute andere Dinge die mir zu schaffen machen. Um genauer zu sein, eine riesige Hängebrücke versperrte mir den Weg. Mit 3 großen, alten Stein Bögen sieht sie zwar sehr schön aus, mir war es aber nicht möglich drüber zu fahren. In den letzten Jahren bekomme ich immer öfter Höhenangst. Also musste ich einen kleinen Umweg über die Straße machen. Als ich wieder auf dem Radweg bin verläuft der um ein AKW. Amüsant ist hierbei das der komplette Parkplatz mit Solarzellen überdacht ist und auf dem Gelände 2 Windräder stehen. Es dauert nicht lange bis ich erneut vor einer Hängebrücke stehe. Da ich ziemlich sauer auf mich selbst war, weil ich mich zuvor nicht getraut habe, gibt es hier keine Diskussionen. GoPro an und drüber… und dann nochmal zurück und erneut. Die GoPro hat nämlich nicht gefilmt. Außerdem sei gesagt das diese Brücke wesentlich kleiner war und der Fluss so gut wie ausgetrocknet. Hinter Valence verlasse ich den Eurovelo17 und biege rechts ab auf den V63.
Regen und Sturm verzögern meine Abreise. Heute ist es schon fast kalt. Unterhemd und Regenjacke werden für die Weiterfahrt benötigt. Heute geht es nach Grenoble. Für mich der Eingang zu den Alpen! So schön die Berge sind, die sich links und rechts vom Fluss in die Höhe ziehen, den Tag können sie nur Teilweise verbessern. Bei dem grauen Wetter fällt mir der Start schwer und ich brauch, meiner Meinung nach, viel zu lange für die ersten 30km. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los das mein Hinterrad mehr Luft braucht. Irgendwann erbarme ich mich und pumpe doch etwas nach. Leider hab ich kurze Zeit später erneut das Gefühl, mehr Luft zu brauchen. Meine Befürchtung bewahrheitet sich, der Reifen lässt Luft! In einem kleinen Park mache ich mich also an die Arbeit. Alles vom Fahrrad runter, Reifen ausbauen, Schlauch austauschen, alles wieder zusammenbauen… Ein deutsches Ehepaar gesellt sich dazu. Sie kommen heute von Grenoble und teilen mir mit das ein Baum auf der Strecke liegt und man das Rad dort drüber heben muss. Noch so etwas was mich wahrscheinlich viel zu viel Zeit kosten wird. Wir verabschieden uns und machen uns in unterschiedliche Richtungen auf. Es dauert nicht lange bis ich am besagten Baum ankomme. Zu meinem Glück kommt noch ein anderer Touren Fahrer, aus Spanien. So versuchen wir zu zweit das Rad unter und über die Äste zu hieven. Er entschied sich dann doch seine Taschen vom Rad zu nehmen. Während wir mit dem Baum beschäftigt sind zieht ein Gewitter auf und bevor wir die Regenjacke aus den Taschen holen können waren wir auch schon klitsch nass. Im strömenden Regen machen wir uns weiter. Meine Laune verbessert sich schlagartig als mir der Tacho 4000km anzeigt! Für die tolle Leistung darf mein Fahrrad heute mit aufs Zimmer!
Hat schon was wenn man mit fertig beladenen Fahrrad aus seinem Zimmer kommt. Es geht nach Allemond. Ein kleiner Ort am Fuße eines Stausees und der Start der Strecke zum Col de la Croix de Fer. Von Grenoble aus geht nur noch 1 Straße in die Alpen. So kommt es das der Radweg gleichzeitig Seitenstreifen für die Autobahn ist. Diese geht den ganzen Weg Berg auf! Außerdem gibt es einige Baustellen bei denen leider nicht mehr an die Radler gedacht wurde. Obwohl ich mir komisch vorkomme mit dem Rad über die Autobahn zu fahren, scheint man es hier gewöhnt zu sein. Es wird viel mehr Rücksicht genommen als damals in den USA! Mit grade mal 45km und 646 Höhenmetern zählt dieser Tag zu den Kurzetappen. So kann ich den Tag nutze um mich auf die großen Berge vorzubereiten. Das Hotel wird von Niederländern geführt (die sogar etwas deutsch sprechen) und ist unglaublich Radfreundlich. Eine Radgarage mit allem was man braucht um das geliebte Rad auf Vordermann zu bringen. Zusätzlich ist der Raum mit unzähligen Signierten Trikots geschmückt. Das Hotel ist wahrscheinlich nur mit Radlern belegt und die kommen aus aller Welt. Am Abend gibt es nach 4000km endlich SCHNITZEL und weil man unter Gleichgesinnten ist endet der Abend wesentlich später als geplant. Die Stimmung in dem Hotel ist klasse. Wie Ferienlager für Fahrradfahrer die gerne an großen Bergen leiden.
Nach dem man beim aus checken nochmal motiviert wurde geht es los. Der erste richtige Alpen Pass wartet. Um die Beine gleich zu verärgern geht es Zick Zack die Staumauer hoch. Schnell merke ich das 2 meiner Gänge nicht richtig funktioniert. Ähnliches Problem wie am Anfang der Tour in den Niederlanden. Die Kette ist inzwischen abgenutzt und springt über die Ritzel. Natürlich betrifft es genau die Gänge die ich für 8-9% Steigung nutzen würde. Kleine Steine am Straßenrand verheißen nichts gutes. Jeden Kilometer kommt einer mit den wichtigsten Informationen: Aktuelle Höhe, % der Steigung und Distanz bis zum Pass. Wenn man aber bei 11% vom Rad muss weil die Kette springt und dann liest das es noch 19km bis zum Pass sind, ist das wenig motivierend und eher beängstigend. Immer wieder kamen Radfahren den Berg runter gerast, gefolgt von Autos oder Motorrädern. Irgend eine Art Rennen war im Gange. Nach knapp 10km kommt man durch einen kleines Dorf. Da es anfing heftig zu regnen und die für Nachmittags angekündigten Gewitter zu früh los ging, habe ich mich hier untergestellt. Das Gebäude mit den öffentlichen Toiletten hat eine Vordach so groß das auch mein Rad im trockenen stand. Nach einer Stunde sah es nicht so aus als würde es noch einmal besser werden. Also machte ich mich auf. Innerhalb von Sekunden war ich klitsch nass. Dann ging es auch noch Bergab AB! Dabei und vom langen stehen, wurden Beine und Arme so kalt das ich nicht mehr wusste wo die anfangen und aufhören. Nicht lange bis es sehr steil Berg auf ging und ich schieben musste. Das Wasser floss in Bächen die Straße runter, es war ziemlich dunkel und auch niemand sonst mehr unterwegs. Bei jedem Donner wackelt der Boden und zwischen den Bergen hört es sich noch lauter an. Weil das noch nicht angsteinflößend genug ist schlägt neben mir, in den Strommasten der Blitz ein. Ich hab schon bei Gewitter zu Hause genug Angst aber das … Das war der Punkt an dem ich hinschmeißen wollte, aber nicht konnte. Hätte ich Empfang gehabt hätte ich zu Hause angerufen und verlangt abgeholt zu werden! Zurück war auch keine Option, da ich grade ziemlich steil Berg ab gefahren bin und das nun zurück Scheiben müsste. Also wurde die GoPro vom Helm genommen (sicher ist sicher) und gehofft das mir die Metallplatten unter meinen Schuhen nicht doch noch das Leben kosten ( die Mama sagt ja schon immer das die Klick Schuhe gefährlich sind). Nach einer Stunde im strömenden Regen bei einstelligen Temperaturen stand ich auf einem kleinen Parkplatz. An mir lief in Bächen das Wasser runter und bei jeder Bewegung kam Schaum aus meinen Schuhen. Auf einmal hält ein Auto neben mir mit einem älteren Ehepaar. Sie sprach etwas Englisch und nach kurzem hin und her begannen die beiden den Kofferraum umzuräumen. Ich weiß nicht wie aber wir haben es geschafft mich, mein Rad, und meine Sachen im Auto zu verstauen. Auf meiner ersten PCT Wanderung hat Becky mal behauptet das ich magische Hitchhiker Kräfte habe. Anscheinend funktionieren die noch immer. Die beiden waren so nett und haben mich bis nach Saint Jean de Maurienn zu meinem Hotel gefahren. Auf der Fahrt dorthin hab ich erfahren das Ihr Sohn 6 Jahre mit dem Rad um die Welt gefahren ist.
Fortsetzung folgt….
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