Am letzten Tag in Tschechien komme ich noch einmal richtig ins Schwitzen. Es sind über 40°C und bergig ist es zudem auch. Das finde ich aber nicht so schlimm da ich noch für eine Strava Challange Höhenmeter sammeln muss. Ein letztes mal wurde gut in Tschechien gegessen bevor ich dann mein Rad am Supermarkt mit sehr vielen Getränken beladen musste. Meine Unterkunft ist noch 30km entfernt aber liegt sehr ab vom Schuss und auch morgen kommt die ersten 15km nichts, also muss ich jetzt alles einkaufen was ich brauch. Mein Quartier ist besser als die Booking.com und Google Bewertungen behaupten. Zwar etwas in die Jahre gekommen aber für 1 Nacht total in Ordnung. Hier ist die Zeit stehen geblieben und es sieht so aus wie auf unseren ersten Touren durch Tschechien. Teppichboden und viel Filz, selbst an den Wänden.
Schwül war beginnt der letzte Morgen in Tschechien und weil es so schön ist geht es die ersten 10km ordentlich Berg auf. An der Grenze angekommen mache ich die obligatorischen Fotos. Nur diesmal freue ich mich nicht wirklich über das erreichen eines Grenzüberganges. Nur noch wenige Tage trennen mich vom Ende meiner Tour, ich fühle mich dafür noch nicht bereit. Wie es scheint Deutschland nicht zu begeistert von meiner Ankunft. Von schwül warm ändert das Wetter, mit Grenzübertritt, zu nass kalt mit Gewitter. Am Billa wird Frühstückspause gemacht. Ich fühle mich ziemlich überfordert und habe wohl eine Art Kulturschock im eigenen Land. Während ich den Regen unterm Vordach abwarte will eine ältere Frau sich mit mir unterhalten. Der starke bayrische Dialekt erschwert die Verständigung aber sehr. Ich glaub ich hab mehr in Frankreich verstanden als hier. Nach dem ich in Deutschland nur im Regen gefahren bin habe ich mir zum Abendessen ein gutes und großes Schnitzel geleistet.
Heute brauchte ich keine Regenjacke, es war mal wieder so warm und schwül das ich ordentlich ins schwitzen gekommen bin. Die Strecke war nicht unbedingt aufregend. Es ging auf Radwegen wieder unnötigerweise Berg auf und zick zack durch die Gegen. Ganz gemein ist es wenn der Radweg direkt neben der Straße verläuft und einem bewusst wird wie viele extra Höhenmeter man fahren muss. Während die Straße flach verläuft geht es auf dem Radweg direkt daneben rauf und runter. Mittagessen gibt’s beim Bäcker schließlich nächtige ich Heute wieder in einem Hotel. Nach dem ich mich durch Bayreuth gewurschtelt habe geht es auf sehr sonnigen Wegen bis zu meiner Unterkunft. Hier stehe ich zunächst vor verschlossener Tür. Wegen Krankheit geschlossen. Man öffnet nur für Hotelgäste, die Küche bleibt aber zu. Genau mein Humor! So geht es am Abend 2km bis zum Pizza Imbiss und dann mit der Pizza auf dem Gepäckträger zurück zum Hotel. Essen im Bett hat auch was.
Heute wartet die Rhön auf mich. Die ersten 30km geht es Berg auf. Obwohl ich sagen muss das die ersten 20 davon wirklich gut zu fahren waren. Wie schon so oft in Frankreich, lief auch hier der Radweg auf einer alten Bahnstrecke und somit ging es sehr moderat Berg auf. Ab Frankenhein und somit die letzten 10km ändertet sich das aber. Die Rhön musste ich schon des Öfteren mit dem Rad bezwingen, was sich noch nie als sonderlich leicht herausgestellt hatte, so auch heute. Mit dem Höchsten Punkt der Tour erreiche ich auch mein Heimatbundesland: Hessen. Ab Gersfeld ging es an der Fulda entlang und trotz Gegenwind bin ich gut vorwärts gekommen. Mein letzter Tag auf Tour endet in Bimbach im Biergarten, unter einer großen Kastanie mit lecker Schnitzel.
Schon eine Weile denke ich drüber nach wie es seien wird diese Tour zu beenden heute ist es so weit… und was soll ich sagen ? Das Ende kommt mir etwas zu früh. Ich fühle mich als hätte ich grade erst mit diesem Abenteuer angefangen und nun soll es schon zu Ende gehen?! Ein letztes mal packe ich mein Fahrrad, die Handgriffe sitzen, alles hat seinen Platz. Das Garmin Inreach wird in der Lenkertasche verstaut, ein letztes mal können meine Elter meinen Tag darüber verfolgen. Bei Komoot wird die letzte Etappe ausgewählt und über meinen Kopfhörer sagt man mir die Richtung an. Ja ich freue mich nach so langer Zeit mal wieder nach Hause zu kommen aber es ist schon komisch nach all der Zeit die Radwegeschilder zu sehen auf denen lauter bekannte Ortschaften drauf stehen. Die nette Stimme in meinem Kopfhörer kann mir heute nur bedingt weiter helfen. Eine Baustelle und Straßensperrung folgt der anderen und manchmal bin ich mir nicht ganz sicher ob ich es heute wirklich bis nach Hause schaffe. Auf den letzten 10km begleitet mich mein Papa. Es fühlt sich sehr unwirklich an auf der Strecke unterwegs zu sein die ich schon abertausende Male gefahren habe. Und bevor man sich versieht quäle ich mich den heimischen Berg hoch. Ich hätte vermutet das nach so einer Tour dieser kleine Berg einfacher zu fahren ist aber da hatte ich mich getäuscht. Es ist wie immer, der Berg zum Schluss ist am schlimmsten 😉
Nun stehe ich da vorm meinem Haus, ein großes Banner hängt am Fenster. Willkommen zu Hause! Drauf gemalt sind die 3 großen Cols die unterwegs bezwungen wurden, schließlich war das eins der Highlights. Mein inzwischen ziemlich ausgewaschenes North Face T-Shirt weicht meinem alten Tupfen Shirt. Vor vielen Jahren hat mir mein Papa das bemalt weil ich damals alle Berge der Sommertour gefahren bis. Er hat einige Änderungen vorgenommen. Zusätzlich zu den roten tupfen auf dem weißen T-Shirt sind nun auch all meine Touren drauf verewigt. Bei der Tour de France wurden Berg Trikot Shirts einfach so verteilt, ich finde die roten Tupfen muss man sich verdienen! Kuchen und lecker Essen helfen bei der Regeneration und den Abend lasse ich vor dem Haus ausklingen bevor ich dann Mein Fahrrad schweren Herzens in die Garage schieben muss.
Dieses Abenteuer ist somit beendet.
Ich bin mir aber sicher das es nicht das letzte gewesen seien wird.
95 Tage auf Tour
7 Länder ( Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Österreich, Slowakei, Tschechien)
5499km
40716 positive Höhenmeter
313 Stunden im Sattel
2 platte reifen
3 Waschmaschinen
1 Besuche in der Werkstatt










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