Die Nacht im Zimmer unterm Dach war wenig erholsam. Es war schrecklich warm und Gewitter und Sturm haben mir den Schlaf geraubt. Sehr nett war aber das die Vermieter mein Fahrrad reingestellt haben damit es nicht nass wird. Der V81 macht mir den Abschied schwer. Gut beschildert und mit brannt neuem Straßenbelag lässt es sich gut fahren. Dann erreiche ich aber den Eurovelo 8. Gegenwind, Hitze und Touristen machen mir das Leben schwer. Der EV8 geht an Frankreichs Mittelmeerküste entlang und erinnert sehr an den Radweg kurz vor Los Angeles in den USA. ( das war nicht als Kompliment gemeint) Eigentlich waren über 100km geplant, die Strecke ist ja flach, aber bei dem Sturm und der Hitze ist das nur noch Wunschdenken. Einheimische sieht man keine, die kommen erst Abends raus wenn es kühler wird und auch die Touristen sind auf einmal verschwunden. Ich bin nämlich endlich aus den Städten draußen und finde mich im nirgendwo wieder. Das GPS und Komoot bestätigen das ich noch auf dem Radweg bin. Der ist aber nur noch eine sandige Reifenspur. Hier und da gibt es Pfützen mit abgestandenen Meerwasser. Ich hoffe nur das nicht gleich die Flut kommt und mich weg spült.
Zum Frühstück bekomme ich keinen Bissen runter. Ich weiß nicht ob es mir einfach noch zu früh ist oder ob es an der Hitze liegt. Um halb 8 geht es dann los. Es ist definitiv noch kühler als Gesten, das soll aber nicht bedeuten das es kalt ist. Ein Feldweg führt am Kanal aus der Stadt. Nicht lange und ich bin mitten im Meer, nur noch der schmale Feldweg ist übrig geblieben. So richtig wohl ist mir nicht aber es kommen mir tatsächlich andere Menschen auf dem Weg entgegen. Was die Sache sehr unangenehm macht sind die Tausenden von Mücken. So halte ich mit einer Hand den Lenker und mit der anderen Mund und Nase zu. Nicht so einfach auf dem huppeligen Weg, ich will ja nicht sammt Rad im Meer landen. Zuerst war ich froh als ich mich wieder in die Zivilisation begeben habe aber der Radweg ist in Ortschaften eher ein Bürgersteig. So muss man an jeder Kreuzung anhalten, was viel Zeit kostet. Mittags finde ich eine schattige Bank auf dem Marktplatz von Serignan. Da selbst im Schatten die Temperaturen unerträglich sind wird auch die heutige Tour gekürzt.
Als um 5 Uhr der Wecker klingelt ist es noch dunkel aber das war der Plan. Die Stadt ist wie ausgestorben und wir haben schon 28⁰C um 6 Uhr Morgens! Mit Sonnenaufgang startet mein Tag. Zunächst ist der Radweg ein schmaler Seitenstreifen auf der Autobahn. Bis nach Sete geht es dann direkt am Strand entlang. Mir gefällt die Stimmung am frühen Morgen sehr. Das Licht ist toll und die Touristen liegen noch in ihren Betten, so habe ich den Radweg für mich. Sete ist eine eher unspektakuläre Stadt, ein paar Bilder für den Papa werden trotzdem gemacht. Der war vor vielen vielen Jahren mit seinen Freunden hier. In Frontignan stauen ich nicht schlecht als ich sehe was da im Wasser steht. Hier gibt es tatsächlich Flamingos und davon sogar ganz schön viele! Um halb 11 haben wir 37⁰C und da ich bei der Hitze nichts essen kann gibt es einen Kakao zum Mittagessen. Heute treffe ich wieder des öfteren andere Touren Fahrer. Trotz heftigem Wind bin ich gut vorwärts gekommen, angehalten wird eh nur noch an Supermärkten und im Schatten (der Mangelware ist). Inzwischen ist es so warm das es weh tut an die Metall Teile meines Fahrrads zu kommen und auch das Wasser, hat inzwischen 40⁰C und ist alles andere als erfrischend! Um 14:00 habe wir 44⁰C und ich bin froh, nach über 100km, in meinem klimatisierten Hotel angekommen zu sein. Campingplätze gibt es zwar viele nur sind das eher Vergnügungsparks auf denen Zelte nicht gewünscht sind.
Erneut früher Start. Die Mücken stehen aber noch früher auf! Beim beladen meines Rades bin ich in eine Mückenwolke gehüllt. Der Radweg verläuft erstmal ziemlich lang neben einem Kanal. Bis Saint Gilles geht es immer am Wasser entlang. Viele Vögel, Enten und Mücken gibt es zu sehen. Dann treffe ich mal wieder auf den Jakobsweg, der ist echt überall. Da ich ausnahmsweise Rückenwind!!! habe bin ich um 12:00 nur noch 15km von Avignon entfernt. Meine Unterkunft hat die Möglichkeit früher ins Zimmer zu dürfen, also warum trödeln wenn ein kühles Zimmer auf einen wartet. Da der Altstadt Bereich von Avignon fast Autofrei ist klappt es einigermaßen gut bis zur Unterkunft zu kommen. Diese fühlt sich etwas wie ein internationales Studentenwohnheim an. Mein Apartment liegt im 5 Stock (Gott sei Dank mit Aufzug) und ich kann über die ganze Altstadt blicken.
Am Ruhetag muss man sich einige Wahrzeichen der Stadt ansehen. Das wichtigste zu erst. Der Bahnhof! Hier standen vor ca 45 Jahren mein Papa und seine Freunde auf ihrer Abenteuerreise. Von da aus ging es weiter an einigen schönen alten Kirchen vorbei. Bis zum Papst Palast, der mehr einer Festung ähnelt und zur Römer Brücke.
Da es weiterhin sehr warm ist geht es wieder früh los. Somit kommt man auch gut aus Avignon raus denn die Straßen sind leer. In einem kleinen Ort musste ich mir das Lachen sehr verkneifen. Die Straße verlief unter der Bahnstrecke entlang. In der Unterführung steckt ein Transporter fest. 2 Herrn, wild am gestikulierend und fertig mit den Nerven, haben anscheinend die Höhe ihrer Fahrzeuges unterschätzt. Es ging weder vorwärts noch zurück, Männer am Steuer! Auf dem EuroVelo17 ging es an der Rhône entlang. Der Weg ist so neu das die anliegende Straße noch keinen Belag hatte. Das muss man den Franzosen lassen, es ist nicht alles perfekt aber sie investieren viel in die Radwege. Mit Rückenwind, Sonnenschein und guter Musik in den Ohren rollt es ausgezeichnet gut. So muss das sein. So wurde die Strecke auf über 100km verlängert. Ein kleines Nickerchen wurde auf einem sehr bequemen Stein gehalten und beim Decatlon eine neue Hose gekauft. ( meine Hose die ich beim fahren an habe ist sehr alt und ich muss sie alle 2-3 Tage flicken. Trotzdem hoffe ich in ihr die Tour zu beenden) Da die Alpen immer näher kommen wurde auch noch mehr PowerBar Gel und Radhandschuhe gekauft (ich brauch eigentlich keine beim fahren aber bei der Hitze schwitzen die Fingerchen so das ich den Lenker nicht mehr gut packen kann).
Langsam wirds ernst ! Die Alpen und ihre berühmt berüchtigten Pässe sind in Reichweite. Dazu demnächst aber mehr
Bis bald Marie
Komoot:https://www.komoot.de/user/1539512102956?ref=amk
Strava:https://www.strava.com/athletes/23324729















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