Nachdem ich einen schönen Tag in Bayonne hatte wurde meine morgendliche Abfahrt etwas verzögert. Es regnete. Das war so nicht angegeben. Bei schwül, grauen Wetter ging es gegen 9:00 Uhr los. Der V81 ist so neu das die Komoot Karte manchmal nicht mit dem  Weg übereinstimmte. Der Weg ist gut beschildert und lässt sich durchgehend befahren. Nur das Wetter spielt nicht mit. Ich stehe 1h lang unter einigen Bäumen und warte vergebens darauf das der Regen aufhört. Er wurde zunächst weniger aber als ich mich zum Finalen Anstieg des Tages aufmachte fing es wieder an. Es ist zu warm um mit Regenjacke zu fahren aber eigentlich zu kalt um in nasser Kleidung zu fahren. Die letzten 15km geht es grade aus oder Berg ab, erneut wurde eine alte Bahnstrecke zum Radweg umfunktioniert. Klamm und kalt erreiche ich mein heutiges Ziel. In Salies de Bearn habe ich, vergleichsweise günstig, ein Zimmer im Golf Club gebucht. Sehr freundliche angestellt, ruhig gelegen, das Rad durfte mit rein und eine Badewanne gab es auch. Nicht weit entfernt gab es einen Supermarkt wo Abendessen und Snacks besorgt wurden. Wie sich herausstellt ist im Supermarkt Tiramisus richtiger Alkohol und das merkt man als ungeübter Trinker!

Am nächsten Tag hingen Nebelschwaden über dem Golfplatz. Der von der Sonne angestrahlt als ein gutes Fotomotiv herhielt. Um warm zu werden ging es erstmal Berg auf. Über mehrere Kilometer schleicht man den Berg hoch nur um die Abfahrt von einer Umleitung versaut zu bekommen.  Der Radweg verläuft nun über kaum befahrenen Nebenstraßen. Entlang des Flusses La Gave de Pau und durch kleine Dörfchen. In Orthez machte ich, in einem schönen Park direkt am türkis blauen Fluss Pause. Aus dem Ort raus kommt man immer wieder an Baggerseen vorbei, bis es dann swhr steil den Berg rauf und vom Fluss weg geht. So eine fiese Rampe bei der man schon Probleme hat sein Rad zu schieben! Dafür wird man oben mit toller Aussicht belohnt. Am Horizont sieht man zum ersten Mal die großen Berge der Pyrenäen. In Mourenox wurde vor dem Supermarkt Mittagspause gemacht. Unter vielen verwirrten Blicken saß ich auf dem Parkplatz und genoss ein großes Ben&Jerry Eis. Erneut komm ich an einem Baggersee vorbei der inzwischen Naturschutzgebiet ist. Hier konnte ich sogar einen Bieber sehen. Die Weiterfahrt wurde durch erneute Straßensperreung verkompliziert. Um nicht die letzten 20km auf winer Schnellstraße fahren zu müssen, suchte ich mir einen Weg durch die Ortschaften. Am Campingplatz angekommen musste ich feststellen das der Aldi 3km entfernt ist. So musste ich nochmal aufs Rad und im Feierabend Verkehr durch die sehr volle Stadt. Hier waren Radfahrer nicht vorgesehen. Als ich es, überraschendderweise unbeschadet, zurück zum Zelt geschafft habe gab es dann endlich was zu Essen. Nudeln mit Pesto und Hühnchen. Der Abend ging lange da ganz unerwartet ein Hesse auf Radtour vorbei kam und wir uns festgeschwätzt haben. Ich hätte nicht erwartet auf dem Abschnitt der Tour andere Radreisende zu treffen aber da Komoot nur den V81 angibt sind wir alle auf der selben Route unterwegs.

Der nah gelegenen Fluss sorgt dafür das Zelt und Rad klitsch nass sind. Vor allem mein Sattel hat sich mit Wasser vollgesaugt. Der Radweg geht direkt am Fluss bis nach Pau. Kurz vor der Stadt gab es Grund zur Freude. Ich habe 3000km gefahren! Ein kurzer Stopp um Bilder zu machen und schon geht es weiter. Um durch Pau zu kommen muss man durch einen riesigen Park fahren. Der ist sehr schön angelegt und beherbergt die Örtlichen Sportanlagen. Anscheinend hat die Grundschule heute Sporttag. Wer nicht schon vor Ort ist kommt mit seinen Lehrern auf dem Fahrrad angefahren.  So kommt es das 30-50 Erstklässler auf ihren Mini Fahrrädern an mir vor bei müssen. Einer war dabei so von meinem Rad fasziniert das er fast in den Graben gefahren ist. Aus dem Park raus konnte man ein sehr schönes Berg Panorama genießen. Die unzähligen Fotostopps kosten aber viel Zeit. Mittags hatte ich nicht mal 30km gefahren und das obwohl ca. 85km geplant waren. Da es als am Fluss entlang ging habe ich nicht wirklich gemerkt das es Berg auf geht. Man sieht es nicht aber man ist ungewöhnlich langsam unterwegs. Erneut kommt kurz vor Schluss ein richtiger Berg. Mit bis zu 13% Steigung ist das kein Spaß. Wie gut das mir die Landschaft hier so sehr gefällt. Im Feierabend Verkehr muss ich mir meinen Weg durch die Stadt Tarbes bahnen.

Bergetappe! Der V81 verläuft am Rand der Pyrenäen aber hat trotzdem richtige Steigungen zu bieten. So dient der Abschnitt als „Trainingslager“ für die Alpen, die demnächst kommen. Gleich zu Beginn geht es lange Berg auf aus dem Ort raus. Nur um dann wieder runter zu fahren und das Spiel zu wiederholen. Als ich mir das Höhenprofile ansehe bekomme ich etwas Angst. Die beiden Berge fande ich lang und anstrengend. Im Vergleich zu dem was noch kommt, waren es aber nur kleine Hügel. Als ich mich an den ersten „richtigen“ Berg mache muss ich sogar das Unterhemd ausziehen, viel zu warm! Schon nach wenigen Kilometern überholte mich ein älterer Mann auf einem Rennrad. Trotzdem geht es besser als erwartet. Nicht schnell aber ich fahre!  Weiter oben überholen mich 2 Jugendliche Triathleten und ihr Trainer. Das Mädchen schwitzt noch mehr als ich, da fühl ich mich gleich viel besser. Mit dem Irrglauben das der Ort  „Burg“ das Ende des 2 großen Berges ist, mache ich mich auf die Abfahrt. Der Ort liegt aber unten in einem Tal, an einem Fluss. Eine Burg gibt es da auch nicht, genauso wenig wie ein Geschäft oder Bäcker. Also muss ich wohl oder übel weiter und noch einen Berg fahren. Bis ca.500m vorm „Gipfel“ ging das auch recht gut. Dann ging aber nichts mehr.  Mit knapp 40km in den Beinen hätte ich halt mal was richtiges zu Essen gebraucht. Da es aber nirgends was gab werden die weiteren Kilometer bis zum nächsten Lidl eine Qual.
Beim Lidl angekommen werde ich wieder angestarrt als hätte ich sie nicht mehr alle. Neben den Einkaufswagen sitze ich im Schatten. Trinke 2 Smoothies, Wasser und esse alles was reinpasst. Die vermeintlich leichte 2 Hälfte des Tages war nur anders anstrengend. Heißer Gegenwind machten mir das Leben schwer. Nach fast 65km fand ich die erste Bank des Tages. Sehr schön in einem kleinen Dorf. Direkt am Bächlein unter einem Baum. Am liebsten wäre ich da geblieben. Campingplätze sind Mangelware deshalb ging es in ein Hotel.

Ausnahmsweise gibt es mal richtiges Frühstück. Wie ein „normaler“ Mensch, im Hotel. Heute kam ich besser vorwärts. Obwohl die ein oder andere fiese Rampe auf mich wartete. Der Radweg war ausgezeichnet und die Landschaft ebenso. Gefährlich dunkel aussehende Wolken nahmen die Verfolgung auf aber es blieb trocken. Der Radweg auf der alten Bahnstrecke ist schön zu fahren. Der Anstieg kaum zu merken aber Bänke zum Pause machen fehlen. So endete ich auf dem Gelände einer Brücke. Hier musste ich mal wieder Zeit totschlagen. Ich war viel zu früh und mein B&B hat check-in erst ab 15:00 Uhr. Obwohl die Landschaft unglaublich schön ist schlich sich langsam der Trail Bluse ein. Nach über 2000km in Frankreich (ohne ein einziges Schnitzel!) Bin ich langsam bereit mit dem Land fertig zu werden. Der Randweg hat aber einen Trumpf im Ärmel. 2 lange Eisenbahn Tunnel. Mit automatischem Licht. Beim zweiten Tunnel hingen aber so viele Spinnweben am Bewegungsmelder das der mein wildes gefuchtel nicht wahrnahm. So musste die Stirnlampe ausgepackt werden. Auf den letzten Metern zum B&B musste noch ein Berg überquert werden. Mal wieder fast zu steil um das Rad da hoch zu bekommen aber mit klasse Aussicht. Oben sah man weitere Berge mit grünen Wiesen. Alte Steinmauern und winzige Bergdörfer. Auch die Unterkunft lag in einem winzigen Dorf, in dem meine Ankunft schnell die Runde machte. Meine Gastgeber sind Engländer und wohnen seit 8 Jahren hier. Das Haus sehr gemütlich mit Küche für die Gäste, Wohnzimmern, Pool und Garten.

Unangekündigter Regen und Gewitter verzögern meine Abfahrt. So lässt man sich bei schönen Frühstück Zeit und kan noch etwas mit der Gastgeberin schwätzen. Zunächst rolle ich etwas lustlos über den Radweg bis es hinter dem nächsten Ort leicht bergan geht. Es ist nicht wirklich vordernt und von oben hat man wieder einen schönen Blick auf die Berge. Heute hängen sie zwar in den Wolken aber das macht nichts.Vor Foix geht es über ein Viaduct. Hinter Foix endet vorerst der V81. Aus mir unerklärlichen Gründen. Deshalb geht es dann auf einer Nebenstraße über die Berge. Interessanterweise fällt es mir im Moment leichter die „richtigen“ Berge zu fahren als die „kleinen Hügel“. Da meine Motivation am Morgen ziemlich im Keller war gibt es nur eine kleine 60km lange Tour. Ich Ende in einem kleinen Dorf in einem super süßen B&B.

Zum Frühstück gibt es selbstgemachten Joghurt, Brot und Kuchen (da ich so voll von all den anderen Sachen war wurde der Kuchen als Proviant eingepackt) außerdem gab es Croissants und leckeres Müsli. Die beiden Besitzer sind wirklich liebenswert und sind international. Er kommt aus der französisch sprachigen Schweiz,  sie ist in Südafrika geboren hat Jahre lang in Israel gelebt und nun sind beide in Frankreich. Definitiv ein Ort an den ich wiederkommen werde. Vom B&B aus geht es gleich weiter Berg auf. Es ist schon morgens ziemlich warm, deshalb geht es im Top weiter. Erneut erwartet mich eine richtige Berg Etappe aber da die Berge im Moment ganz gut gehen, nehme ich es gelassen. Im Laufe der schön langen Abfahrt, verändert sich die Landschaft sehr. Von grünen Bergen zu Toskana und von Toskana zu Kaliforniens Wüste. Leider gibt es keine Möglichkeit, vor dem 20km langen Anstieg, Getränke aufzunehmen.  Es geht ordentlich Berg auf und die Sonne ist erbarmungslos. Um die Qualen zu vergessen gibt es einen Podcast auf die Ohren. Immer wenn es mal ein Fleckchen Schatten gab (was nicht sehr oft war) hab ich kurz Pause gemacht. Oben angekommen habe ich den ersten Pass der Tour gefahren. Der Col du Linas. Ganze 667m Hoch! Mein Wasser so gut wie alle und meine Schultern verbrannt. Zeit für das Tshirt und die verdiente Abfahrt!  Es geht durch einen Canyon. Der Gorges de Galamus. Riesge weiße Felsen türmen sich rechts und links auf. Zu anfangs liegt die Straße noch auf fast der selben Höhe wie das Flüsslein. Mit der Zeit gräbt der sich aber immer tiefer in das Gestein. Weniger Autos dafür mehr und mehr Fußgänger sind auf der sehr schmalen Straße unterwegs. Ich bin froh das mir kein Auto  mehr entgegen kommen, denn an vielen Stellen ist die Randbegrenzung nur Kniehoch. Am Ende des Canyons kommt ein großer Parkplatz mit einem kleinen Kiosk! 2 Dosen Cola und ein Eis, Tisch mit Blick in den Canyon. Es könnte kaum schöner sein und die letzten Kilometer geht es auch noch Bergab!

Als nächstes geht es zum Mittelmeer!
Bis bald
Marie

Komoot: https://www.komoot.de/user/1539512102956?ref=amk

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