Auf einem Radabenteuer ist es natürlich schwieriger eine „Trail Familie“ zu bekommen als beim Wandern, falls so was mit dem Rad überhaupt geht.
Als ich in Breck am Hotel angekommen bin waren 3 Franzosen sehr interessiert an meinem Abenteuer. Sie konnten weder Englisch noch Deutsch und ich kein Französisch. (Frau Tritschler, es tut mir Leid! aber ich kann keinen einzigen Satz auf französisch bilden) Nichts desto trotz hatten wir eine lustige „Unterhaltung“. Heute, als ich mein Rad beladen habe, waren auch die Franzosen am Abreisen. Ja wir sind keine Trail Familie aber es hat sich fast so angefühlt als würden mir Freunde viel Glück für die Weiterreise wünschen. Zunächst war der Weg nicht wirklich besonders aber ohne Gegenwind hatte ich einfach Spaß durch die Gegend zu düsen. Nach 30km war ich am La Bassée. Bissel abgestandenes Meerwasser in dem sich Enten, Vögel und die zotteligen Kühe tummeln. Das hat mir so gut gefallen das ich die Tour etwas verlängerte und auf dem offiziellen Weg des EV 4 geblieben bin. In Cayeux-sue-Mer hätte man das Meer, vor lauter Strandhütten, kaum gesehen. Eine Bank zwischen den Hütten wurde zum Mittagessen ausgesucht. Erneut kam ein neugieriger Franzose zu mir. Er bot mir an einen Tisch aus seiner Hütte zu holen, damit ich entspannt Mittag essen kann. Ich zeigte ihm den Müsliriegel um zu erklären das ich keinen Tisch brauchte, nett war die Geste aber trotzdem. Mein heutiges Tagesziel war wirklich schön,  leider lag es aber in einer tiefen Senke. So graust es mir jetzt schon for Morgenfrüh. Le Trépot ist auf beiden Seiten von riesigen Steilküsten umgeben. Das sieht toll aus, wenn man da nicht drüber müsste. Auf dem Campingplatz lernte ich einen Holländer kennen und wir gingen Abends gemeinsam in die Stadt zum Essen.  Defintiv eine super Tag. Die Stadt hat ganz viele kleine bunte Fachwerkhäuser, viele kleine Restaurants und eine tolle Kirche. Trotzdem ist sie nicht zu sehr touristisch. Bis wir wieder am Campingplatz angekommen waren, war es 22:00 Uhr. Richtig spät!

Schon früh ging es los. Denn ich wollte das Zelt im trockenen zusammen packen. Ab 8:30 Uhr war Regen gemeldet. Ich kämpfte mich den Berg hoch und weiß nun auch warum Steilküsten so heißen. Nicht nur vom Meer aus sind die Dinge steil! Oben angekommen fing es etwas an zu regnen, nichts halbes und nichts ganzes. Das konnte meiner Begeisterung, über die Aussicht, nichts abtun. Es sollte aber nicht das letzte mal gewesen sein das ich erst in eine Senke fahre um dann auf der anderen Seite wieder hoch zu müssen. Auf dem Weg nach Dieppe treffe ich ein „bekanntes“ Gesicht. Schon gestern überholte ich den Herrn mit Neon gelben Klamotten und roten Packtaschen. Er kommt aus Hamburg, was deutlich zu hören war! Ist ohne E an der Küste entlang und will über Paris wieder nach Hause fahren. Aus Dieppe raus wurde ich von ca 30-40 Oldtimer Autos überholt. Da hatte aber auch der ein oder andere am Berg zu kämpfen. Es war inzwischen ziemlich schwül und der Wetterbericht ließ nichts gutes verheißen. Bei eine großen Portion Knorr Nudeln freute ich mich im Hotel zu sein. Ich bin halt kein Fan von Gewitter!

Da die Beine nach 1200km nicht mehr wirklich wissen wie man Berge fährt, merke ich jede kleine Erhebung. Schon am Morgen war mir schlecht und das sollte den restlichen Tag auch so bleiben. Der Gegenwind und das ständige auf und ab taten da das übrige. Nach 40km elender Quälerei gab es wenigstens ordentlich was zu sehen. Die „Notre Dame du Salut“ ist anscheinend eine Pilger Kirche und steht am Berg über Fécamp. Ich weckte das Interesse von einem Haufen Wanderer und 2-3 Radfahren. So wurde meine Weiterfahrt laut bejubelt. Da fühlte ich mich,  zumindest für einen kurzen Moment, etwas besser. In der Stadt, vor den Supermarkt, stand ein anderes sehr schwer beladenes Rad. Das gehört zu Kadu. Ein Spanier der auf dem Weg zum Nordkap ist. Wie er das Rad bewegt bekommt bleibt mir aber ein Rätsel. Aus der Stadt bin ich dummerweise auf dem EV4 geblieben. Der ging kerzengerade die Steilküste hoch. Da hatte ich sogar Probleme das Rad zu schieben. Außerdem war der Weg mit Schranken, für Autos gesperrt. Mit einem bepackten Rad kommt man aber auch nicht durch! Also musste ich alles abbauen, Rad an der Schranke vorbei schieben und dann alles wieder drauf bauen. Ich entscheid mich diesen Tag etwas früher zu beenden und grade bevor es so richtig anfing zu regnen und zu gewittern stehe ich vor einem Hotel.

Zu erst muss ich den letzten Berg von gestern nachholen. Ich bin mir sicher das ich den gestern nicht geschafft hätte. Von Anfang an ist es schwül und ich tropfe aus allen Poren. Vor La Havre überholen mich zwei Möchtegern Rennradfahrer, wirklich weg kommen sie nicht von mir. Ich mach eine kleine Pause, dabei entscheide ich mich erst im Ort hinter La Havre einzukaufen. Es ist noch recht früh und Wasser hab ich auch noch etwas. Also schnellstmöglich aus der großen Stadt raus. Diese Entscheidung entpuppt sich als Fehler. Aus dem „bewohnten“ Teil der Stadt bin ich zwar recht zügig draußen, danach warten aber über 20km Industriegebiet. Ein erstaunlich gut ausgebauter Radweg führt an riesigen Tanks und Containerlagern vorbei. Agesehen von mir ist hier keiner. Die Sonne brutzeln und der Wind kommt ordentlich von vorne. Langsam knurrte der Magen und die letzte Tage machen sich bemerkbar. Zum Schluss muss ich auch noch über eine riesige Brücke. Zu meinem Glück ist die Fahrbahn neben der Radspur, zumindest die Brücke rauf, gesperrt. Beim runterfahren leider nicht mehr!  Der Wind kommt nun von der Seite und ich hab Probleme mich auf dem Rad zu halten. Nun rasen aber auch LKWs direkt an mir vorbei. Total entkräftet komme ich in Honfleur an. Meine Hoffnung das dieses Ort ruhiger ist war auch verkehrt. Durch Menschen gwusel suche ich den Weg zum Supermarkt. Das Abendessen ist somit gesichert. Auch heute wird die Strecke kürzer. Mein Zelt hat 1A Blick aufs Meer und in meinem neuen Mini Campingstuhl genießen ich den Abend. Hühnchen mit Spätzle und 2 fast kalte Colas versüßen mir den Abend. Schon sind die Strapazen der vergangenen Tage wieder vergessen


Wenn Ihr wissen wollt wo genau ich bis jetzt unterwegs war könnt ihr meine Touren hier nachschauen ( Aus Sicherheitsgründen werden die, so wie der Blog, immer etwas verspätet veröffentlicht):

Komoot: https://www.komoot.de/user/1539512102956?ref=amk

Strava: https://www.strava.com/athletes/23324729

Liebe Grüße
Marie

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