
Um uns den Abschluss etwas zu versüßen fanden wir es eine gute Idee mit der Fähre von Sorrento nach Neapel zu fahren. Am Hafen angekommen versuchte man uns sehr unhöflich zu erklären das nur Menschen die zur Arbeit müssen die Fähre nehmen dürfen ( Corona Maßnahmen). Verärgert und versuchte ich wenigstens noch ein paar schöne Bilder zu machen. Hierbei vielen mir zwei in Schutzkleidung gehüllte Leute auf die anscheinend die Fähren Leute kontrollieren.
Vor dem Coronavirus haben wir beide eigentlich keine Angst aber es war erschreckend wie schnell die Situation in Italien umgeschlagen ist.
Wir machten uns also wieder auf den Weg zurück zum Bahnhof um mit dem Zug nach Neapel zu Fahren. Am Bahnhof angekommen war ich mir im ersten Moment nicht sicher ob überhaupt noch Züge fahren. Als wir hier gestern mit dem Bus ankamen waren überall Menschen, die Info hatte geöffnet und auch die kleinen Läden / Kioske im und am Bahnhof waren auf. Heute hingegen war es Menschenleer, nichts hatte mehr auf und die Rollläden waren zu. Man kam sich ein bisschen wie in einem Apokalypsen Film vor ,wo alle schnell die Geschäfte verriegeln und sich aus dem Staub machen.
Zum Glück hatte exakt 1 Ticketschalter auf und der Zug stand auch schon bereit. Als wir eingestiegen sind waren in dem Zug lediglich 3 weitere Leute (der Zug hatte mindestens 5 Wagen).
Je näher wir Neapel kamen ,desto mehr Leute stiegen aus und ein. Alle haben auf die ein oder andere Art und Weise versucht Mund und Nase zu bedecken. Manch einer hatte Mundschutz (viele hatten die Sorte die ihnen nicht weiterhilft), andere haben sich im Kragen ihrer Jacke versteckt und dann gab es noch Leute die sich mit Schal und Ski-Maske bewaffnet haben.
In Neapel angekommen war zwar weniger los als bei unserer Ankunft aber trotzdem mehr als in Sorrento. Die meisten waren hier auch mit Handschuhen und „Mundschutz“ unterwegs. Mit der ziemlich leeren U-Bahn ging es Richtung Unterkunft (wir haben versucht so wenig wie möglich anzupacken und nach der Fahrt erstmal die Hände desinfiziert). Auf den Weg zu unserer Unterkunft gingen wir durch einige kleinere Straßen ,in einer davon hatte man aber nicht das Gefühl dass Italien wegen dem Coronavirus grade im Ausnahmezustand ist. Leute die in kleinen Läden Käse, Fleisch und Sachen kauften die ich noch nie gesehen habe. Auf der Straße gab es Obst und Gemüsestände und natürlich Unmengen an frisch Fisch. Wir versuchten schnellstmöglich und ohne von einem Motorroller überfahren zu werden , dort wieder zu verschwinden. Die gebuchte Unterkunft befand sich in einem großen Haus das wir durch den Innenhof betraten. Leider war noch keiner da und auch unter der angegebenen Telefonnummer war niemand zu erreichen. Da es noch recht früh war entschieden wir erst noch was zu Essen zu suchen.
*Zu diesem Zeitpunkt war es allen Geschäften, Restaurants Cafés… erlauben zwischen 6 und 18 Uhr offen zu haben*
Trotz der Tatsache das deutlich mehr Leute in Neapel unterwegs sind war es dennoch schwierig ein geöffnetes Restaurant zu finden. Die meisten Läden die offen hatten waren Cafés, nur noch sehr vereinzelt war ein Restaurant geöffnet. Recht nahe unserer Unterkunft fanden wir ein Pizzeria , das Essen gehörte mit zu den besten und günstigsten der Reise ,leider waren die Kellner wie so oft eher unfreundlich. Auch die Tatsache das wir einen Tisch direkt neben dem Eingang zum benachbarten Kiosk bekommen haben machte die Situation nicht angenehmer. Da waren wir also, irgendwo in Neapel. Wir beide fühlten uns nicht besonders wohl dort, einfach zu hektisch, zu laut und so viel durcheinander. Nach dem Mittagessen wechselten wir auf die andere Straßenseite und gingen noch in ein Café. Hier war es wesentlich ruhiger, man konnte schön in der Sonne sitzen und durch einen Zaun fühlte man sich nicht als ob man direkt auf der Straße sitzt. Die Kellner , das erste mal auf unserer Reise, waren sehr freundlich. Das Personal was drinnen arbeitet trug Handschuh und Mundschutz und die Kellner die draußen servieren waren auch mit Handschuhen ausgestattet. Jedes mal wenn Geste gingen wurde der Tisch nicht nur gewischt sondern auch desinfiziert. Wir bestellten eine heiße Schokolade und ein Tee. Bekommen haben wir zusätzlich zu einer Auswahl an Tee und der besten heißen Schoki meines Lebens auch noch köstliche lau warme Kekse, jeder ein Glas Wasser und Apfelsinen aus der Region. Das tat unserer Stimmung Definitiv gut! Zeit für ein erneuten Versuch in unsere Unterkunft zu kommen…
Wir klingeln- keine Reaktion. Wir versuche anzurufen – auch nichts. Der Pförtner des Gebäudes bot uns daraufhin seine Hilfe an. Versuchte die Besitzer nochmals per Handy zu erreichen und machte uns schon mal die Tür auf. Am Telefon erfuhr er dann ,was wir schon lange vermutet haben. Wegen Corona geschlossen.
Durch Booking.com, dem Pförtner und unserem vorherigen versuch in die Unterkunft zu kommen, wussten wir das es ein weiteres B&B im selben Haus gibt ( was tatsächlich auch offen hat). Auf dem Weg in den 4 Stock buchte ich schnell noch ein Zimmer in der besagten Unterkunft und tada…. Wir hatten tatsächlich einen Platz zum schlafen gefunden. Der Vermieter war ebenfalls mit Handschuhen und Mundschutz unterwegs, zeigte uns das Zimmer und erklärte das man normalerweise hier locker 250.- die Nacht bezahlen muss ( wir haben 48,- für uns beide bezahlt). Das Zimmer modern eingerichtet in einem wunderschönen Altbau mit Ausblick auf die Straße, das Badezimmer und vor allem die Dusche hätte man genauso gut als SPA bezeichnen können, genau das Richtige um eine Reise zu beenden. Den restlichen Abend verbrachten wir damit uns auf den morgigen Heimflug vorzubereiten: online check in, Sachen packen, Weg zum Flughafen finde…
Als wir es uns im Bett bequem gemacht hatten und bereit zum Einschlafen waren hörten wir ein komisches, lautes brummen von draußen ( ab 18 Uhr war im Prinzip von draußen nichts mehr zu hören gewesen). Wir machten scherze: ich vermutete dass das Militär jetzt Neapel abriegelt. Meine Partnerin scherzte das man jetzt die Straße mit Desinfektionsmittel absprüht… und genau so war es auch! 2 Wagen mit einem Schwenkarm auf dem Dach spritzten alles und jeden ab, wären das normale Straßenreinigung Auto vorweg fuhr und ein älterer Herr im Schutzanzug nebenher lief.
Am nächsten Morgen mussten wir feststellen dass das tolle Cafés und alles andre geschlossen blieb.
*von nun an waren nur noch Supermärkte und Apotheken geöffnet, öffentliche Verkehrsmittel fuhren immer noch Planmäßig *
So gab es zum Frühstück etwas von den restlichen Knapper Sachen und Tee. Gegen halb 11 machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Ähnliches Bild wie gestern. Viel Polizei, etwas Militär, Menschen mit Mundschutz und leere Züge. Vom Hauptbahnhof ging es mit dem Shuttle Bus zum Flughafen, auf der hinreise vor 1 Woche mussten wir noch stehen nun waren wir die einzigen im Bus. Auch am Flughafen war sehr wenig los. Überall in den Bereichen in denen man anstehen muss gab es auf den Boden Markierungen um ausreichend Abstand ein zuhalten. Selbst bei der Sicherheitskontrolle wollte man so viel Abstand wie möglich waren (nicht nur Zwischen den Passagieren sondern auch zwischen Personal und Passagier). Bevor es in den Flieger ging wurde uns noch die Aussteigerkarte gegeben (Bild dazu unten). Auch hier waren Flugbegleiter und einige Passagiere wieder mit Mundschutz und Handschuh unterwegs. In Frankfurt Hahn (was zu meinem überraschen überhaupt nicht in Frankfurt ist) landeten wir im nichts ,rundherum ein Acker am anderen. Vom Flugzeug zum Gepäckband und ehe wir uns versehen waren wir schon draußen. Gerechnet hatten wir mit Gott weiß was, Quarantäne, Leute in Schutzanzügen die uns abspritzen…
Nichts ! Niemand hat die Aussteigerkart entgegen genommen, unsere Pässe angesehen, Fieber gemessen oder gefragt was wir in Italien gemacht haben. Keine Manschens Selle die sich um ein Flieger aus Italien gekümmert hat.
Ich kann nicht für ganz Italien sprechen und weiß auch nicht wie Momentan die Lage dort ist aber in der Zeit als wir da waren hat es sich in den deutschen Medien wahrscheinlich schlimmer angehört als es wirklich war. Ich beziehe mich hierbei nur auf die Region in der wir waren und kann natürlich nichts über die Lage in den Krankenhäuser berichten.
Es war eine schöne Reise, gerne wären wir länger geblieben. 2 Tage später stellte Ryanair die Flüge von Neapel ein und auch unser Lufthansa Flug wurde offiziell gestrichen … wir hatten also richtig glück noch rechtzeitig nach Hause gekommen zu sein.
Um es noch mal deutlich zu machen :
- Als wir gestartet sind war dieser Bereich Italiens kein Risikogebiet ( also könnt ihr euch eure Kommentare wie dumm die Aktion war sparen)
- Wir hatten sehr wenig Kontakt mit anderen
- Sowohl wir als auch die Italiener haben sehr auf ausreichen Abstand geachtet
- Meine Reise Partnerin und ich haben KEINE Symptome und gehen auch nicht davon aus das wir Infiziert sind !
- Von keiner offiziellen Stelle wurde uns Quarantäne verordnet
- Wir vermeiden trotzdem Kontakt zu anderen ( wollen uns ja nicht doch noch anstecken 😉)
- Zu guter Letzt… Ich finde es unglaublich wie viele Leute entweder mich kontaktieren, oder sich den Mund Zereisen weil ich in Italien war. Es ist erschreckend wie unfreundlich so manch einer wird nur weil sich jemand vielleicht mit einem Virus angesteckt haben könnte ( den wir alle vermutlich bekommen werden Italienurlaub hin oder her)





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